Wochenzeitung vom 22.5.2003
327 Sekunden Eine Stunde zählt bekanntlich 3600 Sekunden. Auf die letzten 327 Sekunden hin spitzt sich ein Geschehen zu, das einen James-Bond-Film entnommen sein könnte: Auf die Nachricht hin, dass ein Asteroid geradewegs auf die Erde zufliege und eine Katastrophe apokalyptischen Ausmasses hervorrufen könnte, reagiert die Menschheit , wie anzunehmen, höchst unterschiedlich. Die Theater- und Performancegruppe ex/ex widmet sich der Endzeitstimmung mit allen theatralischen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen. Und das sind nicht wenige: Text, Tanz, Film- und Hellraumprojektionen, Videoeinspielungen, dazu ein Musikmix aus harten Beats und sanften Liedern. Vor allem aber: Das meiste spielt sich in der Senkrechten ab, Tanzende, Liebende, Todessüchtige alle hängen in einer Wand, bewegen sich in einem atemberaubenden Bilder- und Klangmix. "Ein Ansturm der Bilder, ein Feuerwerk der Abbildungen" nannte das die "Basler Zeitung" nach der Premiere in der Basler Voltahalle. Nun ist die Produktion in Baden angekommen. Und hier wird sie nicht an einer Hallenwand, sondern die Pfeiler einer Brücke hochgehen. Die heute 12-köpfige Theater- und Performancegruppe ex/ex, 1997 von Heini Weber und Remy Mentha gegründet, hat mit dieser überarbeitenden Produktion erstmals die Region Basel verlassen eine Gelegenheit auch für das Publikum aus dem Raum Zürich eines der ungewöhnlichsten Theaterspektakel der letzten Jahre live zu erleben. Apropos: Live raste letztes Jahr ja wirklich ein Asteroid sehr knapp an der Erde vorbei. Eine (vom Universum aus gesehene) Winzigkeit von ein paar tausend Kilometer näher und er wäre tatsächlich aufgeschlagen. Statt von der damals zu erwartenden realen Flutwelle dürfen wir uns nun theatralisch verschlingen lassen eine nicht zu verachtende Alternative. law. "327 Sekunden" in: Baden, im Graben (vom Schulhausplatz zum Fluss runter, Vorstellungen unter der Brücke), Do Sa, 22.-24. Mai, jeweils 21.15 Uhr. Reservationen/Infos Tel. 061 321 43 22.
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