Basellandschaftliche Zeitung 3.April 2001

 

Das manipulierte Leben

EXEX / Das Künstlerkollektiv beschäftigt sich in "Manipulogen" mit der Thematik genmanipulierter Lebewesen.

von Timothy Grundy

Basel. In der grossen Fabrikhalle auf dem ehemaligen Sulzer-Burckhardt Areal erwartet den Theatergänger ein besonderes Spektakel. Die Gruppe ExEx präsentiert ihre Produktion "Manipulogen" ein Theaterspektakel, das sich mit der Thematik des genetisch manipulierten Lebewesen beschäftigt. Es stellt die Frage nach der Verantwortung der Wissenschaftler, welche dieses Leben erschaffen.

Mary Shelleys "Frankenstein" liefert die Textgrundlage, an der vornehmlich Filmzitate angereiht werden. Der Wissenschaftler, der sich der Entschlüsselung des Genoms widmet, ruft sich Dr. Frankenstein (Sten Ferel), seine attraktive Assistentin ist Mary (Simone Kiefer). Sie liefert die eigentlichen Einsichten, Frankenstein die Kaltschnäuzigkeit im Umgang mit der Presse und dem global vernetzten Kapitalismus. Vom Schöpfervater verachtet, von der Mutter/Assistentin geliebt, ist Igor (Marco Gunn) der missratene Sohn dieser symbiotischen Familie.

Mit der Thematik der genetischen Manipultion und eines Biochips lässt sich ein hervorragendes Theaterspektakel stricken. fremde Mächte, die sich nach Filmvorlagen von der Decke abseilen oder die abgetackelte Dame, die ihr Schosshündchen vor den Augen der Zuschauer in einen Wachhund verwandeln lässt. Die Ideen scheinen dieser Gruppe nicht auszugehen. Für das Spektakel ist dies eine grosse Stärke, für das Theater eine grosse Schwäche. Die Gruppe setzt den Spielraum präzise ein und verwendet die Gegebenheiten der Fabrikhalle in reichhaltiger Manier für die Inszenierung. So überzeugend das Spektakel, so enttäuschend das eigentliche Theater.

Mit dem Werkkran werden Frankenstein und Mary auf die Bühne geflogen. Der Deus ex Machina ist hier der Wissenschaftler. Nicht am Ende, sondern zu Beginn des Stückes eingeflogen, ist es die Aufgabe dieses "Gottes", Leben, und damit das Theaterstück, zu erschaffen. Und wie in der Vorlage soll der Wissenschaftler für sein Werk die Verantwortung übernehmen.

Wo Shelley allerdings die Nobilität des Monsters gegen die Amoralität des Frankensteins ausspielt, verliert sich "Manipulogen" in einer flachen Familienmoral, wie sie Hollywood nicht besser sprechen könnte: der Schöpfervater soll sich um seine Familie kümmern. Wie eine Hollywood-Produktion liess sich ExEx von den Effekten verblenden, die zwar grossartigen Spektakel liefern, aber doch kein gutes Theater machen.