| » » » » Basellandschaftliche Zeitung vom 11. Juni 2005 » » » » » » » » |
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Auf der Suche nach Liebesspuren Stadtrundgang / "Wo die Liebe hinfällt" ist ein aussergewöhnlicher Rundgang durch die Basler Altstadt. Und es ist ein szenisches Theater über die Liebe, eine Produktion von "ex/ex theater". von Bea Berczelly Basel. Viel interessantes bekommt das Publikum auf dem Stadtrundgang "Wo die Liebe hinfällt" zu hören. Vernunft-Ehe versus romantische Liebe? Wussten Sie, dass Rosa Luxemburg in Basel geheiratet hat? Aber nicht aus Liebe zu ihrem angetrauten Gustav Lübeck, sondern aus Liebe zur Politik. Die berühmte Sozialistin brauchte einen deutschen Pass, da sie in der Berliner Politik mitreden wollte. Den erhielt sie automatisch mit der Vermählung mit dem gebürtigen Deutschen. Auch Hermann Hesse hat in Basel geheiratet - und sich wieder scheiden lassen. Seine erste Frau war Maria Bernoulli. Die Ehe hielt nicht lange, und Hesse sinniert in seinen Texten darüber "ob ein Mann, ein Künstler, überhaupt zur Ehe fähig sei". Nun, Maria Bernoulli, Musikerin und Fotografin, war eine Künstlerin und offenbar nicht für die Ehe geschaffen. Sie kam in eine Nervenheilanstalt, aber nach der Scheidung sofort wieder heraus.
Gute Idee und tragendes Konzept Die Idee, einen Stadtrundgang als Mischung aus szenischem Theater, historischen Fakten, sozialen und gesellschaftspolitischen Inhalten und Unterhaltung anzubieten, ist famos. Unter der Regie von Christine Ahlborn meistert die Historikerin und Schauspielerin Satu Blanc ihre Aufgabe hervorragend. Sie ist direkt, lebendig und persönlich. So wurden denn oft auch Teilnehmende aufgefordert, den "Ghetto-Blaster" zu tragen, der zur musikalischen Unterhaltung beitrug; ihre Tasche zu schleppen, oder auch mal vorzustehen, damit sie gewisse Familienbande optisch plakativer erklären konnte. Als immer schwierig bei Stadtrundgängen ist die Akustik. Je nachdem, wo man sich befindet, fährt eine Strassenbahn oder ein Motorrad vorbei - und dann ist es mit dem Hören aus. Eine weitere Hürde ist der Aufbau der Atmosphäre, des Spannungsbogens. Kaum entsteht einer, geht es weiter. Und bis sich 40 Menschen vom Punkt A zum Punkt B verlagern, dauert es einige Zeit. Satu Blanc musste an jedem Ort sozusagen von null anfangen, um eine Stimmung zu kreieren. Dies schaffte sie zum Beispiel hervorragend, als sie über die tragische Kindheitsgeschichte von Niki de St.Phalle, der Frau von Jean Tinguely, erzählte. Auch über Heinrich IV. und seine Frau Kunigunde wird berichtet, die eine Vernunftehe eingegangen sind und das Basler Münster gestiftet haben; wie auch über die Heirat von der CIBA mit dem Geigy, zu denen anschliessend noch die Sandoz dazukam. Satu Blanc erzählt auch viel von Baslerinnen und Baslern, man steht vor deren Häusern, in denen diese Personen gelebt haben. Der Abend, der knapp zwei Stunden dauert, ist geprägt von ihrem Charme, aber auch einer gewissen Beliebigkeit der Themenauswahl. Da fehlt es ein wenig am stringenten Zusammenhang, am roten Faden. Aber er ist nett, oft unterhaltend und endet in der Krypta der Elisabethenkirche. Das ist ein nur selten zu besichtigendes Bijou. Bis November jeweils Dienstag und Donnerstag. (Reservation unter 061 261 47 50) |