» » » » Basler Zeitung vom 14. Juni 2005 » » » » » » » » » » » » » » »

Basler Schauplätze der Liebe

«Wo die Liebe hinfällt» - ein theatralischer Stadtrundgang mit dem ex/ex-Theater

DOMINIK HEITZ

Ein «aussergewöhnlicher Stadtrundgang» wird versprochen und ein Theater um die Liebe und was sie bewegt. Bewegung gibts, Bewegendes manchmal etwas weniger.

Wussten Sie, dass die politisch engagierte Rosa Luxemburg in Basel geheiratet hat? Dass der Schriftsteller Hermann Hesse eine seiner drei Frauen sowie den Papagei im Hotel Krafft besuchte? Dass die bekannte Schweizer Frauenrechtlerin Meta von Salis aus Liebe zu Hedwig Kym nach Basel gezogen war?

«WESTSIDE»-STORY. Wenn nicht, dann ist das halb so schlimm. An der frischen Luft und mitten in Basels Altstadt kann das nachgeholt werden. Das ex/ex-Theater erinnert sich in einer Mischung aus Theater und Stadtrundgang verschiedener Liebschaften, dauerhafter Beziehungen und Vernunftehen bekannter Geschichtsgrössen an Basler Originalschauplätzen.

Maria heisst die frisch verliebte Frau (Satu Blanc), die wir vor dem Standesamt in der Rittergasse treffen und kennen lernen. Eigentlich hatte die frisch Verliebte mit ihrem Freund Tony abgemacht. Doch die Basler «Westside»-Story kommt nicht zustande. Stattdessen nimmt uns die junge Frau frohen Schrittes mit auf einen Stadtrundgang - über die Pfalz beim Münster, dann die Bäumleingasse hinunter bis zur Krypta der Elisabethenkirche. Im Plauderton einer aufgeweckten Studentin erzählt sie über Rosa Luxemburg, die in Basel nur deshalb Gustav Lübeck heiratete, um zu einem deutschen Pass zu kommen und damit in Berlin ihre politischen Ziele zu verfolgen. Beim grossen Münsterportal ist ihr das Liebesverhältnis zwischen «Münster-Vater» Kaiser Heinrich II. und seiner Kunigunde einen Exkurs wert, bevor sie von der Pfalz aus einen Blick aufs Kleinbasel wirft und an die «Vermählung» von Ciba mit Geigy erinnert.

PROSTITUTION. Maria hüpft von einem Thema zum nächsten und von einem Ort zum anderen, flicht da eine Nebengeschichte über Basels Prostitution im 19. Jahrhundert ein, zieht dort interessante Verbindungen zu Jean Tinguely und der Scharfschützin Nikki de Saint-Phalle.

Das ist am Anfang informativ und unterhaltsam. Doch das Ansinnen, einen gemischten Haufen zwei Stunden lang durch die Stadt zu lotsen und ihn ständig bei der Stange zu halten, will nicht recht gelingen. Es fehlt dazu an wirkungsvollen theatralischen Mitteln, die verhindern würden, dass das Publikum nicht das Gespräch untereinander sucht, sondern den Kontakt zur Schauspielerin aufrecht hält. So aber fällt es dem Stadtrundgänger von Ort zu Ort schwerer, sich auf die Geschichten von Marie einzulassen. Doch ganz am Schluss werden wir wieder wach gerüttelt: in der kühlen Grabkammer von Christoph Merian und seiner Frau Margarethe, tief unter der Elisabethenkirche.

› Weitere Vorstellungen: bis November, jeweils dienstags und donnerstags um 20 Uhr. Treffpunkt: Standesamt, Rittergasse 11, Basel.

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