| » » » » Stadttambour vom August 2005 » » » » » » » » » » » » » » » » » » » » » » » » » |
|
V.B. - Je nach Erfahrung wird der Satz "Wo die Liebe hinfällt" mit "da wächst kein Gras mehr" oder "da wächst Gras drüber" ergänzt. Auf jedenfall ein guter Titel für eine absolut grossartige (Auf) - Führung durch Basel, bei der auf den Spuren der Liebe gewandelt wird. Nach dem letztjährigen Erfolg von "Niemand war schon immer da", macht das "ex/ex theater" wieder Furore, diesmal mit der Schauspielerin und tanzenden Historikerin Satu Blanc. Treffpunkt ist das Standesamt in der Rittergasse. Punkt acht Uhr abends erscheint eine junge, kesse Frau in lila Spalentorhosen und buntem Oberteil mit einem blumengeschmückten Kofferradio, stellt sich als Maria vor und fragt die Zuschauer, ob sie den schlanken und dunkelhaarigen Tony gesehen hätten? Wenn Maria nach Tony fragt, klingelt das West-Side-Story-Glöckchen, und wir sind mitten in der ersten Liebesgeschichte. Wir begeben uns in den Garten, Maria hüpft auf die Treppe und zeigt uns, wie ein Happy-End bei Shakespeare aussieht. Julia stösst sich den Dolch in die Brust und Romeo trinkt Gift. Dann erzählt sie uns von der Heirat der Rosa Luxemburg in Basel, die auch aus Liebe, aber auch aus Liebe zu der Politik passierte. Rosa wollte unbedingt in die Regierung nach Berlin, dazu brauchte sie aber einen Deutschen Pass, und den gabs von Gustav Lübeck als Hochzeitsgeschenk. Hermann Hesse hat sogar dreimal geheiratet, zweimal davon in Basel. Am Münster sehen wir die Figuren des Stadtgründerpaares Heinrich und Kunigunde und erfahren, dass Kunigunde vor der Ehe mit Heinrich ein Keuschheitsgelübnis abgelegt hat, was Heinrich - aus welchem Grund auch immer - scheinbar nicht gestört hat. Von der Pfalz aus schauen wir auf die omnipräsente Chemie, über deren Liebe zueinander uns Maria später ein paar Histörchen erzählen wird. Wir gehen die Treppe hinab zum Rhein hinunter. Da, wo heute "Chill am Rhy" geprobt wird, standen früher die leichten Mädchen und boten den Baslern ein ganz spezielles Chillen. Maria kommt in Fahrt und verrät brisante Details. Wieder auf der Pfalz zeigt sie uns mitten in den Pflastersteinen eine Platte auf der "Hier begann die Liebe zwischen Harald und Gabriele zu blühen" eingraviert ist. Wir wandeln weiter bis in den Hof vom Baudepartement, dort ist Maria in ihrem Element, denn sie spricht über die Romantik und flunkert, dass diese genau am 14. Februar 1790 verkündet worden sei. "Es lag was in der Luft, es herrschte das romantische Chaos, es regnete Rosen und der Himmel hing voller Geigen", verkündet Maria und dazu gibts die passende Musik aus dem Radio. Nun erfahren die staunenden Zuschauer von der allergrössten und romantischsten Hochzeit, die je in Basel gefeiert wurde. Anno 1970 haben sich die Ciba und die Geigy so in einander verliebt, dass sie sich ein Leben ohne den anderen nicht mehr vorstellen konnten, denn bei ihnen hat die Chemie auf Anhieb gestimmt. Als Anno 1996 noch die Novartis entstand, war das nicht etwa Bigamie, sondern ein Teil des Glücks, obwohl damals 10000 angestellte Hochzeitsgäste ausgeladen wurden. Dann erfolgte eine szenische Nachstellung verzwickter Verwandtschafts- und Liebesverhältnisse eines berühmten Basler Ehepaares, mehr wird hier nicht verraten. Wir hören die Geschichte von Jeannot Tinguely und Niki de Saint Phalle, und wie der Basler Daig entstanden ist, erfahren wir vor dem Haus in der Rittergasse 10, dem heutigen Erbschaftsamt. Vor dem "Bäumli" erklärt Maria wie eine Eheberatung früher aussah, und dass heute in Basel jede 2. Ehe geschieden wird. Wieso gibt es neben der Elisabethenkirche ein Kunstwerk aus lauter Porzellan? Maria hat dafür eine wunderschöne Erklärung. Am Schluss der Führung landen wir in der Merian-Gruft, welche sich nicht etwa im Gellert, sondern unter der Elisabethen-Kirche befindet. Hier gibt es die Geschichte von Christoph und Margarethe Merian-Burckhardt, und die Erkenntnis, dass eine Vernunftsehe eben etwas Vernünftiges ist. Auf der Leinwand erscheint das Matterhorn, eingerahmt von goldenen Herzen und dem Wort "Ende". Kein gewöhnliches Ende, sondern ein richtiges Happy-End, denn Maria hat mit ihren spannenden, traurigen und heiteren Liebesgeschichten alle anwesenden "Mitläufer" glücklich gemacht.
|